„Harnwegsinfekte sind eine der
häufigsten Infektionen bei Frauen“​

 

Harnwegsinfekte kommen immer wieder

Harnwegsinfekte sind eine der häufigsten Infektionen und betreffen bis zu 50% der Frauen in ihrem Leben. Die Ursachen sind vielfältig und setzen meist mit dem Beginn des Sexuallebens ein. Aber auch mit Einsetzen des Wechsels treten wiederkehrende Harnwegsinfekte vermehrt auf.

Urobiom

In der Blase befundet sich ein natürliches, schützendes Mikrobiom – das sogenannte Urobiom. Das Urobiom gesunder Blasen und jener Blasen mit wiederkehrenden Infekten unterscheidet sich in seiner Zusammensetzung. Damit spielt es wohl eine Rolle in der Entstehung von Blasenentzündungen, kann damit aber auch ein therapeutischer Ansatzpunkt für Vorbeugung und Behandlungsmöglichkeiten darstellen.

Bakterien die zu Infektionen führen

  • E. coli (85% aller Harnwegsinfekte)
  • Gram-negative Enterobakerien: Proteus, Klebsiella
  • Gram-positive: Enterococcus faecalis, S. saprophyticus
  • Seltene Pathogene: Gadnerella, Mycoplasmen, Ureaplasmen


Durch ausgeklügelte Mechanismen schaffen es diese Bakterien, in die Zellen der Blasenschleimhaut einzudringen und sich durch spezielle Kapseln vor dem Angriff des körpereigenen Immunsystems zu schützen. Die Biofilmbildung ist typisch für einen chronischen Verlauf der Blasenentzündung.

Diagnose

Zur Diagnose ist Abgabe einer Harnkultur unerlässlich. Dazu soll ein sogenannter Mittelstrahlurin in das Labor gesendet werden. Das bedeutet, dass die erste Harnportion in das WC uriniert wird, die mittlere Portion in einen sauberen Becher aufgefangen wird, um danach die Blase komplett auf der Toilette zu entleeren. Eine sterile Harngewinnung erfolgt mittels Einmalkatheter beim Arzt.

Speziell bei immer wieder kehrenden Infekten kann aber die Abgabe einer sogenannten urogenitalen Harnprobe sinnvoll sein. Da wird der Harn einfach ohne spezielle Vorkehrungen gewonnen, um auch die Begleitbesiedelung von Bakterien zu dokumentieren und hier weitere Informationen zu gewinnen.

Therapie

Mein Ansatz für das Management dieser Problematik ist eine Patientin-zentrierter Behandlungsansatz, was ein ausführliches Gespräch mit der Patientin bedeutet.

Behandlungsbausteine sind

  • Maßnahmen zur Symptomerleichterung
  • Ausreichende Trinkmenge
  • Schmerzmedikation
  • Antibiotikum, das von einem Urologen, bestenfalls aufgrund vorliegender Urinkulturbefunde rezeptiert wurde

Der Befund eines unauffälligen Harnbefunds nach einer Infektion ist wichtig, weil eine Behandlung nicht immer wirksam ist.

Trinken – essen – vorbeugen

Bakterielles Wachstum wird durch stark verdünnten Harn oder niedrigen pH-Wert gehemmt. Ein großer Anteil im Umgang mit immer wiederkehrenden Harnwegsinfekten ist die Vorbeugung.

Die Pfeiler der Vorbeugung sind Verhaltensmaßnahmen, begleitende nicht antibiotische Therapien und im Ausnahmefall die Langzeitantibiose.

Ergänzend können Lactobazillen, ätherische Öle oder D-Mannose mit Cranberry unterstützen. Antibiotika kommen bei besonders hartnäckigen Infekten zum Einsatz.

Intimhygiene
Toilettengang
Warme Kleidung
Impfung
Ätherische Öle
Medikamente